StartEU-Marke anmelden: EUIPO-Markenanmeldung erklärt, Prozess, Kosten & Vergleich mit DPMA

EU-Marke anmelden: EUIPO-Markenanmeldung erklärt, Prozess, Kosten & Vergleich mit DPMA

EU Marke anmelden

Wer seine Marke nicht nur in Deutschland, sondern europaweit schützen möchte, stößt schnell auf die EU-Marke. Sie wird auch Unionsmarke genannt und über das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum, kurz EUIPO, angemeldet.

Der große Vorteil: Mit einer einzigen Anmeldung kann deine Marke in allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union geschützt werden. Das klingt effizient, ist aber nicht automatisch für jedes Unternehmen die beste Lösung.

Denn eine EU-Marke ist breiter, teurer und strategisch anspruchsvoller als eine deutsche Markenanmeldung beim DPMA. Gleichzeitig kann sie für Gründer, E-Commerce-Brands, SaaS-Unternehmen und international wachsende Unternehmen deutlich sinnvoller sein als mehrere nationale Markenanmeldungen.

In diesem Artikel erfährst du, wie du eine EU-Marke anmelden kannst, wie die EUIPO-Markenanmeldung abläuft, welche Kosten entstehen, wann sich eine EU-Marke gegenüber der DPMA-Marke lohnt und warum eine saubere EUIPO-Markenrecherche vor der Anmeldung so wichtig ist.

Was ist eine EU-Marke?

Eine EU-Marke ist eine Marke, die mit einer einzigen Anmeldung Schutz in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union erhalten kann. Sie wird beim EUIPO angemeldet und gilt einheitlich für die gesamte EU.

Das bedeutet: Du meldest deine Marke nicht einzeln in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien oder den Niederlanden an, sondern beantragst einen einheitlichen Markenschutz für die gesamte Europäische Union.

Eine EU-Marke kann zum Beispiel schützen:

  • Wortmarken
  • Bildmarken
  • Wort-Bildmarken
  • Formmarken
  • Farbmarken
  • Klangmarken
  • andere markenfähige Zeichen, sofern sie die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen

Wichtig ist: Eine EU-Marke schützt nicht automatisch jeden Namen. Auch beim EUIPO muss deine Marke unterscheidungskräftig sein und darf nicht gegen absolute Schutzhindernisse verstoßen.

Wenn du die Grundlagen noch nicht kennst, findest du hier einen Überblick zum Markenrecht in Deutschland, die Grundlagen.

EU-Marke, Unionsmarke oder EUIPO-Marke, was ist der Unterschied?

Im Alltag werden verschiedene Begriffe verwendet:

  • EU-Marke
  • Unionsmarke
  • europäische Marke
  • EUIPO-Marke
  • EUIPO-Markenanmeldung

Gemeint ist meistens dasselbe: eine Marke, die beim EUIPO angemeldet wird und Schutz in der gesamten Europäischen Union bietet.

Der korrekte rechtliche Begriff ist Unionsmarke. Für Nutzer ist aber der Begriff EU-Marke oft verständlicher. Deshalb sollte der Artikel beide Begriffe verwenden.

Nicht ganz sauber ist der Begriff „europäische Marke“, weil Europa nicht gleich Europäische Union ist. Eine EU-Marke schützt nicht automatisch in der Schweiz, Norwegen, Großbritannien oder anderen europäischen Ländern außerhalb der EU.

Wann lohnt es sich, eine EU-Marke anzumelden?

Eine EU-Marke lohnt sich besonders dann, wenn dein Unternehmen nicht nur in Deutschland aktiv ist oder realistisch in mehreren EU-Ländern wachsen möchte.

Typische Fälle sind:

  • Du betreibst einen Online-Shop mit Kunden in mehreren EU-Ländern.
  • Du planst den Vertrieb in weiteren EU-Märkten.
  • Du baust eine Marke für ein SaaS-Produkt auf.
  • Du verkaufst digitale Produkte oder Apps innerhalb der EU.
  • Du möchtest deine Marke für eine internationale Expansion vorbereiten.
  • Du arbeitest mit Händlern, Partnern oder Distributoren in mehreren Ländern.
  • Du willst verhindern, dass andere ähnliche Marken in relevanten EU-Märkten anmelden.

Gerade bei E-Commerce-Brands kann eine EU-Marke sinnvoll sein, weil der Vertrieb häufig nicht an Landesgrenzen endet. Wer heute nur in Deutschland verkauft, kann morgen schon Bestellungen aus Österreich, Frankreich, Spanien oder den Niederlanden erhalten.

Trotzdem ist eine EU-Marke nicht automatisch immer besser als eine deutsche Marke.

Wann reicht eine DPMA-Marke aus?

Eine deutsche Marke beim DPMA kann ausreichen, wenn dein Geschäft klar auf Deutschland beschränkt ist.

Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn:

  • du nur in Deutschland verkaufst,
  • dein Angebot lokal oder regional ausgerichtet ist,
  • du keine konkrete Expansion in andere EU-Länder planst,
  • dein Budget begrenzt ist,
  • du deine Marke zunächst national testen möchtest,
  • das wirtschaftliche Risiko überschaubar ist.

Eine DPMA-Marke ist günstiger und einfacher zu kalkulieren. Sie schützt aber nur in Deutschland.

Wenn dein Markt also ausschließlich Deutschland ist, kann die nationale Anmeldung der pragmatischere Einstieg sein. Wenn du aber bereits mehrere EU-Märkte bearbeitest oder deine Marke europaweit aufbauen willst, solltest du die EU-Marke ernsthaft prüfen.

Mehr zum nationalen Verfahren findest du in der DPMA Markenanmeldung, Schritt-für-Schritt-Anleitung.

EUIPO vs. DPMA, der wichtigste Unterschied

Der wichtigste Unterschied liegt im Schutzgebiet.

Eine DPMA-Marke schützt deine Marke in Deutschland. Eine EU-Marke schützt deine Marke in allen EU-Mitgliedstaaten.

Das klingt nach einem klaren Vorteil für die EU-Marke. Strategisch ist es aber etwas komplexer.

Denn eine EU-Marke ist ein einheitliches Schutzrecht. Das bedeutet: Die Anmeldung betrifft die gesamte EU. Wenn es in einem relevanten EU-Land Probleme gibt, kann das Auswirkungen auf die gesamte Anmeldung haben.

Bei einer deutschen Marke ist das Risiko stärker auf Deutschland begrenzt. Dafür hast du aber keinen Schutz in anderen EU-Ländern.

Vergleich: EU-Marke beim EUIPO oder deutsche Marke beim DPMA?

KriteriumEU-Marke beim EUIPODeutsche Marke beim DPMA
SchutzgebietAlle 27 EU-StaatenDeutschland
AmtEUIPODPMA
Geeignet fürinternationale oder europaweite Markenstrategienationale Markenstrategie
Kosten Einstieghöherniedriger
KlassenmodellGebühren steigen ab zweiter Klassebis zu drei Klassen in Grundgebühr enthalten
Risikomögliche Konflikte in mehreren EU-LändernFokus auf Deutschland
Vorteilbreiter Schutz mit einer Anmeldunggünstiger Einstieg für Deutschland
Nachteilbreiteres Konfliktpotenzialkein Schutz außerhalb Deutschlands

Kurz gesagt:

Wenn du nur Deutschland absichern möchtest, ist die DPMA-Marke oft der schlankere Weg. Wenn du deine Marke in mehreren EU-Ländern nutzen willst, ist die EU-Marke oft strategisch sinnvoller.

Wie läuft eine EUIPO-Markenanmeldung ab?

Die EUIPO-Markenanmeldung folgt einem klaren Prozess. Trotzdem sollte sie nicht ohne Vorbereitung erfolgen. Besonders wichtig sind die Markenrecherche, die Auswahl der richtigen Markenklassen und die Prüfung möglicher Konflikte.

1. Marke definieren

Zuerst musst du entscheiden, welche Art von Marke du anmelden möchtest.

Häufig geht es um:

  • eine Wortmarke,
  • eine Bildmarke,
  • eine Wort-Bildmarke.

Eine Wortmarke schützt den Namen als solchen. Eine Wort-Bildmarke schützt die konkrete grafische Gestaltung aus Wort und Logo. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, was für dein Geschäftsmodell wichtiger ist: der Name, das Logo oder die Kombination aus beidem.

2. EUIPO-Markenrecherche durchführen

Vor der Anmeldung solltest du prüfen, ob bereits identische oder ähnliche Marken existieren.

Eine EUIPO-Markenrecherche ist besonders wichtig, weil eine EU-Marke nicht nur Deutschland betrifft, sondern den gesamten EU-Raum. Ein Konflikt kann also nicht nur mit einer deutschen Marke entstehen, sondern auch mit älteren Marken aus anderen EU-Ländern oder älteren EU-Marken.

Dabei solltest du nicht nur exakt identische Namen prüfen. Auch ähnliche Schreibweisen, ähnliche Aussprache, ähnliche Bedeutung oder visuell ähnliche Zeichen können relevant sein.

Eine einfache Suche nach dem exakten Namen reicht deshalb selten aus.

Mit TMPilot.ai kannst du deinen Markennamen vor der Anmeldung strukturiert vorprüfen und erste Hinweise auf mögliche Konflikte erhalten. Das ersetzt keine anwaltliche Beratung, hilft aber, Risiken früher zu erkennen.

Mehr zur Recherche findest du im Leitfaden zur Markenrecherche vor der Anmeldung.

3. Waren und Dienstleistungen festlegen

Bei der Anmeldung musst du angeben, für welche Waren und Dienstleistungen deine Marke geschützt werden soll. Diese werden nach der Nizza-Klassifikation geordnet.

Die Klassenauswahl ist entscheidend, weil sie den Schutzumfang deiner Marke bestimmt.

Ein Beispiel:

Eine Marke für Kleidung betrifft häufig Klasse 25. Eine Marke für Schmuck kann Klasse 14 betreffen. Software kann je nach Angebot in Klasse 9 oder Klasse 42 relevant sein. Handelsdienstleistungen oder Onlinehandel können Klasse 35 betreffen.

Aber Vorsicht: Die Klassennummer allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, welche konkreten Waren und Dienstleistungen du angibst.

Mehr dazu findest du im Artikel zur Nizza-Klassifikation und Markenklassen.

4. Anmeldung beim EUIPO einreichen

Wenn Marke, Klassen und Waren- beziehungsweise Dienstleistungsverzeichnis vorbereitet sind, kann die Anmeldung beim EUIPO eingereicht werden.

Dabei werden unter anderem folgende Angaben benötigt:

  • Anmelderdaten
  • Markendarstellung
  • Markenform
  • Waren- und Dienstleistungsklassen
  • konkrete Waren und Dienstleistungen
  • Sprache der Anmeldung
  • Zahlungsdaten

Nach der Einreichung prüft das EUIPO die Anmeldung formal und materiell.

5. Prüfung durch das EUIPO

Das EUIPO prüft unter anderem, ob absolute Schutzhindernisse bestehen.

Problematisch kann eine Marke zum Beispiel sein, wenn sie:

  • rein beschreibend ist,
  • keine Unterscheidungskraft besitzt,
  • irreführend ist,
  • gegen öffentliche Ordnung oder gute Sitten verstößt,
  • zu allgemein oder rein werblich wirkt.

Wichtig: Das EUIPO prüft nicht automatisch vollständig, ob ältere ähnliche Marken existieren, die später gegen deine Anmeldung vorgehen könnten. Deshalb ist die Markenrecherche vor der Anmeldung so wichtig.

6. Veröffentlichung der Anmeldung

Wenn die Anmeldung die Prüfung besteht, wird sie veröffentlicht. Ab diesem Zeitpunkt können Inhaber älterer Rechte Widerspruch einlegen.

Das ist eine wichtige Phase. Denn auch wenn das EUIPO deine Marke zunächst akzeptiert, kann ein Dritter die Anmeldung angreifen.

7. Widerspruchsfrist

Nach der Veröffentlichung beginnt die Widerspruchsfrist. In dieser Zeit können Inhaber älterer Marken oder Rechte gegen deine Anmeldung vorgehen.

Ein Widerspruch kann zum Beispiel entstehen, wenn eine ältere Marke ähnlich klingt, ähnlich aussieht oder für ähnliche Waren und Dienstleistungen geschützt ist.

Genau deshalb sollte die EUIPO-Markenrecherche nicht erst nach der Anmeldung erfolgen, sondern vorher.

8. Eintragung der EU-Marke

Wenn kein erfolgreicher Widerspruch eingelegt wird und keine weiteren Hindernisse bestehen, wird die Marke eingetragen.

Ab der Eintragung besteht der Schutz für die EU-Marke. Die Schutzdauer beträgt zehn Jahre und kann verlängert werden.

Was kostet eine EU-Marke beim EUIPO?

Die Kosten einer EU-Markenanmeldung hängen vor allem von der Anzahl der Klassen ab.

Für eine Online-Anmeldung beim EUIPO gelten grundsätzlich folgende Amtsgebühren:

UmfangEUIPO-Gebühr
1 Klasse850 Euro
2 Klassen900 Euro
3 Klassen1.050 Euro
Jede weitere Klassezusätzlich 150 Euro

Die zweite Klasse kostet also zusätzlich 50 Euro. Ab der dritten Klasse kostet jede weitere Klasse zusätzlich 150 Euro.

Das ist ein wichtiger Unterschied zur DPMA-Anmeldung. Beim DPMA sind bis zu drei Klassen in der Grundgebühr enthalten. Beim EUIPO ist nur die erste Klasse in der Basisgebühr enthalten.

EU-Marke anmelden Kosten, Beispielrechnung

Angenommen, du möchtest eine EU-Marke für eine E-Commerce-Brand anmelden.

Beispiel 1: Eine Klasse

Du meldest eine Marke nur für Schmuck in Klasse 14 an.

Kosten beim EUIPO: 850 Euro.

Beispiel 2: Zwei Klassen

Du meldest eine Marke für Schmuck und Onlinehandelsdienstleistungen an.

Kosten beim EUIPO: 850 Euro plus 50 Euro, also 900 Euro.

Beispiel 3: Drei Klassen

Du meldest eine Marke für Schmuck, Kleidung und Onlinehandel an.

Kosten beim EUIPO: 850 Euro plus 50 Euro plus 150 Euro, also 1.050 Euro.

Die Gebühren zeigen: Eine EU-Marke ist schnell teurer als eine deutsche Marke. Dafür bietet sie aber auch einen deutlich größeren geografischen Schutzbereich.

Kostenvergleich: EUIPO vs. DPMA

AnmeldungSchutzgebietGrundgebührKlassenlogik
DPMA-Marke onlineDeutschland290 Eurobis zu 3 Klassen enthalten
DPMA-Marke PapierDeutschland300 Eurobis zu 3 Klassen enthalten
EU-Marke online27 EU-Staaten850 Euro1 Klasse enthalten
EU-Marke mit 2 Klassen27 EU-Staaten900 Euro2. Klasse plus 50 Euro
EU-Marke mit 3 Klassen27 EU-Staaten1.050 Euro3. Klasse plus 150 Euro

Der Kostenvergleich zeigt: Für rein deutsche Geschäftsmodelle ist die DPMA-Marke meist günstiger. Für Unternehmen mit EU-weiter Strategie kann die EU-Marke dagegen effizienter sein als mehrere nationale Einzelanmeldungen.

Welche Risiken hat eine EU-Marke?

Eine EU-Marke hat viele Vorteile, aber sie ist nicht risikofrei.

Größeres Konfliktpotenzial

Da die EU-Marke in allen EU-Staaten wirkt, kann es auch in mehreren Ländern ältere Rechte geben. Das erhöht das Recherche- und Konfliktpotenzial.

Eine Marke, die in Deutschland unproblematisch wirkt, kann in Frankreich, Spanien, Italien oder den Benelux-Ländern auf ältere Rechte treffen.

Einheitlicher Schutz, einheitliches Risiko

Die EU-Marke ist ein einheitliches Schutzrecht. Wenn es ein relevantes Hindernis in einem Teil der EU gibt, kann das die gesamte Anmeldung gefährden.

Das ist einer der wichtigsten strategischen Unterschiede zur nationalen Marke.

Höhere Kosten

Die EUIPO-Gebühren sind höher als die DPMA-Gebühren. Zusätzlich können Kosten für Recherche, anwaltliche Prüfung, Widerspruchsverfahren oder strategische Beratung entstehen.

Mehr Sprachen und Märkte

Bei einer EU-Marke muss man auch sprachliche Bedeutungen und kulturelle Kontexte bedenken.

Ein Name kann in Deutschland neutral wirken, aber in einer anderen Sprache beschreibend, problematisch oder missverständlich sein.

EUIPO Widerspruch, was passiert bei einem Widerspruch?

Ein EUIPO-Widerspruch kann von Inhabern älterer Rechte eingelegt werden, wenn sie der Meinung sind, dass deine Marke mit ihrer Marke kollidiert.

Typische Gründe sind:

  • identische oder ähnliche Marke,
  • ähnliche Waren oder Dienstleistungen,
  • Verwechslungsgefahr,
  • ältere bekannte Marke,
  • ältere nationale Marke,
  • ältere EU-Marke.

Wenn ein Widerspruch eingelegt wird, kann das Verfahren deutlich länger dauern. Außerdem können zusätzliche Kosten entstehen.

Deshalb ist es so wichtig, vor der Anmeldung eine Markenrecherche durchzuführen und nicht erst dann zu reagieren, wenn ein Widerspruch kommt.

EU-Marke oder DPMA-Marke, welche Anmeldung ist besser?

Die bessere Anmeldung hängt von deinem Geschäftsmodell ab.

DPMA-Marke ist oft sinnvoll, wenn:

  • du nur in Deutschland aktiv bist,
  • du ein lokales oder regionales Angebot hast,
  • du die Marke zunächst testen möchtest,
  • dein Budget begrenzt ist,
  • keine EU-weite Expansion geplant ist.

EU-Marke ist oft sinnvoll, wenn:

  • du in mehreren EU-Ländern verkaufst,
  • du einen internationalen Online-Shop betreibst,
  • du eine SaaS- oder App-Marke aufbaust,
  • du europaweite Partner, Händler oder Distributoren hast,
  • du deine Marke langfristig EU-weit positionieren willst,
  • du verhindern willst, dass Dritte ähnliche Zeichen in anderen EU-Märkten besetzen.

Eine gute Faustregel:

Wenn Deutschland dein einziger relevanter Markt ist, kann die DPMA-Marke ausreichen. Wenn mehrere EU-Länder wirtschaftlich wichtig sind oder absehbar wichtig werden, solltest du die EU-Marke prüfen.

Typische Fehler bei der EUIPO-Markenanmeldung

1. Ohne EUIPO-Markenrecherche anmelden

Viele Gründer prüfen nur, ob die Domain frei ist oder ob der Name bei Google auftaucht. Das reicht nicht.

Eine Marke kann rechtlich problematisch sein, auch wenn die Domain noch verfügbar ist.

2. Nur in Deutschland recherchieren

Bei einer EU-Marke reicht eine deutsche Recherche nicht aus. Du musst auch ältere EU-Marken und relevante nationale Marken anderer EU-Länder berücksichtigen.

3. Zu viele Klassen anmelden

Viele wollen möglichst breit schützen und melden zu viele Klassen an. Das erhöht die Kosten und kann strategisch unsauber sein.

4. Zu wenige Klassen anmelden

Das Gegenteil ist ebenfalls problematisch. Wenn wichtige Waren oder Dienstleistungen fehlen, entstehen Schutzlücken.

5. Klasse 35 pauschal auswählen

Klasse 35 wird häufig gewählt, weil ein Online-Shop betrieben wird. Das schützt aber nicht automatisch die Produkte selbst. Ein Shop für Kleidung braucht eine andere Prüfung als ein Shop für Schmuck, Kosmetik oder Lebensmittel.

6. EU-Marke wählen, obwohl nur Deutschland relevant ist

Nicht jedes Unternehmen braucht sofort EU-weiten Schutz. Wer nur lokal oder national aktiv ist, fährt mit einer DPMA-Marke oft günstiger und schlanker.

7. Sprachliche Risiken ignorieren

Eine EU-Marke muss in mehreren Ländern funktionieren. Ein Begriff kann in einer Sprache unterscheidungskräftig sein und in einer anderen Sprache beschreibend oder problematisch wirken.

Wann sollte ein Markenanwalt eingebunden werden?

Ein Markenanwalt ist besonders sinnvoll, wenn die Marke wirtschaftlich wichtig ist oder das Risiko steigt.

Das gilt besonders bei:

  • EU-Marken,
  • mehreren Klassen,
  • internationalen Märkten,
  • ähnlichen älteren Marken,
  • größeren Produktlaunches,
  • Investoren oder Handelspartnern,
  • Widersprüchen,
  • Abmahnungen,
  • komplexen Waren- und Dienstleistungsverzeichnissen.

Eine Vorprüfung mit TMPilot.ai kann helfen, erste Risiken sichtbar zu machen. Bei komplexen Fällen ersetzt sie aber keine individuelle rechtliche Bewertung.

Mehr dazu findest du im Artikel: Wann ein Markenanwalt sinnvoll wird.

Checkliste: EU-Marke anmelden

Bevor du eine EU-Marke anmeldest, solltest du diese Punkte prüfen:

  • Ist die Marke unterscheidungskräftig?
  • Ist der Name nicht nur beschreibend?
  • Wurde eine EUIPO-Markenrecherche durchgeführt?
  • Wurden ähnliche Schreibweisen geprüft?
  • Wurden ältere EU-Marken geprüft?
  • Wurden relevante nationale Marken anderer EU-Länder berücksichtigt?
  • Sind die richtigen Nizza-Klassen ausgewählt?
  • Sind die Waren und Dienstleistungen konkret beschrieben?
  • Ist die EU wirklich dein relevantes Schutzgebiet?
  • Gibt es sprachliche Risiken in anderen EU-Ländern?
  • Ist ein Markenanwalt sinnvoll?
  • Sind die Kosten der Anmeldung eingeplant?
  • Ist klar, ob DPMA oder EUIPO strategisch besser passt?

Fazit: EU-Marke anmelden, wenn Europa wirklich relevant ist

Eine EU-Marke kann ein starker Schritt sein, wenn du deine Marke nicht nur in Deutschland, sondern europaweit schützen möchtest. Mit einer einzigen EUIPO-Markenanmeldung kannst du Schutz in allen 27 EU-Staaten beantragen.

Das macht die EU-Marke besonders interessant für E-Commerce-Brands, SaaS-Unternehmen, digitale Produkte, internationale Gründer und Unternehmen mit konkreten Expansionsplänen.

Aber: Eine EU-Marke ist nicht automatisch die beste Lösung. Sie ist teurer als eine deutsche Marke, bringt ein größeres Konfliktpotenzial mit sich und verlangt eine gründlichere Markenrecherche.

Wenn dein Markt klar auf Deutschland beschränkt ist, kann die DPMA-Marke der bessere Einstieg sein. Wenn du aber bereits EU-weit verkaufst oder ernsthaft europaweit wachsen willst, solltest du die EU-Marke prüfen.

Der wichtigste Schritt vor jeder Anmeldung bleibt gleich: Recherchiere deinen Markennamen, prüfe die relevanten Klassen und erkenne mögliche Konflikte, bevor du Geld in die Anmeldung investierst.

Mit TMPilot.ai kannst du deinen Markennamen vor der Anmeldung strukturiert prüfen und erste Hinweise auf mögliche Risiken erhalten.

FAQ: EU-Marke anmelden

Was ist eine EU-Marke?

Eine EU-Marke, auch Unionsmarke genannt, ist eine Marke, die über das EUIPO angemeldet wird und Schutz in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union bieten kann.

Wo kann ich eine EU-Marke anmelden?

Eine EU-Marke wird beim EUIPO angemeldet, dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum.

Was kostet eine EU-Marke beim EUIPO?

Die Online-Anmeldung einer EU-Marke kostet beim EUIPO 850 Euro für eine Klasse. Die zweite Klasse kostet zusätzlich 50 Euro, ab der dritten Klasse fallen 150 Euro pro weiterer Klasse an.

Was ist der Unterschied zwischen EUIPO und DPMA?

Das EUIPO ist für EU-Marken zuständig. Eine EU-Marke schützt in allen EU-Mitgliedstaaten. Das DPMA ist für deutsche Marken zuständig. Eine DPMA-Marke schützt nur in Deutschland.

Wann lohnt sich eine EU-Marke?

Eine EU-Marke lohnt sich, wenn du deine Marke in mehreren EU-Ländern nutzt oder nutzen möchtest. Das ist häufig bei E-Commerce, SaaS, digitalen Produkten oder internationaler Expansion der Fall.

Wann reicht eine deutsche Marke beim DPMA?

Eine deutsche Marke kann ausreichen, wenn dein Geschäft nur auf Deutschland ausgerichtet ist und keine konkrete Expansion in andere EU-Länder geplant ist.

Muss ich vor der EUIPO-Anmeldung eine Markenrecherche machen?

Ja, eine Markenrecherche ist sehr empfehlenswert. Das EUIPO prüft nicht vollständig für dich, ob ältere ähnliche Marken deiner Anmeldung entgegenstehen könnten.

Was ist ein EUIPO-Widerspruch?

Ein EUIPO-Widerspruch ist ein Verfahren, bei dem Inhaber älterer Rechte gegen deine Markenanmeldung vorgehen können. Das kann passieren, wenn sie eine Verwechslungsgefahr mit ihrer älteren Marke sehen.

Wie lange ist eine EU-Marke gültig?

Eine EU-Marke ist zehn Jahre gültig und kann danach immer wieder verlängert werden.

Ist eine EU-Marke besser als eine deutsche Marke?

Nicht automatisch. Eine EU-Marke ist besser, wenn du EU-weiten Schutz brauchst. Eine deutsche Marke ist oft sinnvoller, wenn nur Deutschland relevant ist.