Autor: stud. iur. Niels-Christopher Petersen; Jurastudent, Bundestagsmitarbeiter & E-Commerce-Experte schreibt über Online-Recht, Digitalisierung & Verbraucherschutz 17.9.25 9:37 Uhr
Einleitung
Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber stellen sich im Streitfall die gleiche Frage: Was kostet ein Anwalt für Arbeitsrecht? Die Sorge vor hohen Kosten ist verständlich – gleichzeitig kann die richtige anwaltliche Unterstützung im Arbeitsrecht enorme finanzielle Vorteile bringen. Gerade in Situationen, in denen unklar ist, ob rechtlicher Beistand notwendig wird, hilft ein Überblick wie in unserem Beitrag Wann wird ein Rechtsbeistand zur unverzichtbaren Hilfe?.
Rechtliche Grundlagen im Arbeitsrecht
Das Arbeitsrecht in Deutschland regelt die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern – von der Einstellung über die tägliche Zusammenarbeit bis hin zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zu den wichtigsten Gesetzen zählen das Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG), das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) und das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Viele Konflikte entstehen bereits beim Arbeitsvertrag und seinen Inhalten, weshalb eine sorgfältige Vertragsgestaltung entscheidend ist.
Kündigung & Kündigungsschutzklage
Ein besonders wichtiger Bereich im Arbeitsrecht ist der Schutz vor ungerechtfertigter Kündigung. Das Kündigungsschutzgesetz legt fest, wann eine Kündigung zulässig ist und welche Rechte Arbeitnehmer haben. Wer sich gegen eine Kündigung wehren möchte, kann mit Unterstützung eines Anwalts eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Dabei prüft das Gericht die Rechtmäßigkeit der Kündigung und ob gegebenenfalls ein Anspruch auf Abfindung besteht.
Aufhebungsvertrag & Abfindung
Neben Kündigungen ist auch die Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Aufhebungsvertrag oder Abfindung ein häufiges Thema. Die Höhe einer Abfindung hängt u. a. von der Dauer des Arbeitsverhältnisses, dem Alter des Arbeitnehmers und den Umständen der Beendigung ab. Gerade bei zusätzlichen Verpflichtungen wie einer Nebentätigkeit können sich in Abfindungsverhandlungen besondere Konstellationen ergeben, die anwaltliche Unterstützung sinnvoll machen.
Kosten für eine Erstberatung
Die Erstberatungsgebühr beträgt maximal 190 € netto bei Verbrauchern (§ 34 RVG). Viele Kanzleien bieten Pauschalpreise zwischen 100 und 190 € an. Eine Erstberatung kann bereits klären, ob sich ein Verfahren lohnt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind – eine Fragestellung, die wir in unserem Artikel Wann wird ein Rechtsbeistand zur unverzichtbaren Hilfe? näher beleuchten.
Kosten senken & Unterstützungsmöglichkeiten
Viele Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Anwalts- und Gerichtskosten für arbeitsrechtliche Verfahren, sofern der Arbeitsrechtsschutz eingeschlossen ist. Wer keine Versicherung hat, kann auf Prozesskostenhilfe oder die Unterstützung einer Gewerkschaft zurückgreifen. Besonders wichtig wird dies, wenn Konflikte um Arbeitsverträge und deren Regelungen entstehen, die ohne rechtliche Absicherung oft teuer werden.
Fazit
Ein Anwalt für Arbeitsrecht kostet Geld – doch die Investition kann sich lohnen, etwa bei Abfindungsverhandlungen oder Kündigungsschutzklagen. Mit einer Rechtsschutzversicherung, Prozesskostenhilfe oder Unterstützung durch eine Gewerkschaft lassen sich Kosten deutlich reduzieren. Wann genau anwaltlicher Beistand unverzichtbar wird, zeigt unser Überblick Wann wird ein Rechtsbeistand zur unverzichtbaren Hilfe?.
FAQ
Was kostet Beratung beim Anwalt für Arbeitsrecht?
Die Kosten für eine Erstberatung beim Anwalt für Arbeitsrecht liegen in der Regel bei bis zu 190 Euro zzgl. Mehrwertsteuer (§ 34 RVG). Viele Kanzleien bieten jedoch pauschale Erstberatungen zwischen 100 und 200 Euro an. Gerade wenn unklar ist, ob rechtliche Hilfe wirklich notwendig ist, hilft ein Überblick wie in unserem Beitrag Wann wird ein Rechtsbeistand zur unverzichtbaren Hilfe?.
Wie viel kostet ein Anwalt ohne Rechtsschutz?
Ohne Rechtsschutzversicherung trägt man die Anwaltskosten selbst. Diese richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und dem sogenannten Streitwert. Bei einfachen außergerichtlichen Schreiben können Kosten im dreistelligen Bereich entstehen, während Gerichtsverfahren schnell mehrere Tausend Euro kosten können. Gerade bei Konflikten rund um den Arbeitsvertrag, wie sie in unserem Ratgeber Alles rund um den Arbeitsvertrag: Klärung von Konflikten und wichtige Vertragsinhalte beschrieben sind, können die Anwaltskosten ohne Rechtsschutz spürbar höher ausfallen.
Was kostet eine Klage gegen den Arbeitgeber?
Die Kosten einer Klage gegen den Arbeitgeber hängen vom Streitwert (z. B. Höhe des Gehalts, Abfindung, Kündigungsschutz) ab. Typisch ist ein Streitwert von drei Bruttomonatsgehältern bei Kündigungsschutzklagen. Daraus ergeben sich häufig Gerichts- und Anwaltskosten zwischen 1.000 und 3.000 Euro in der ersten Instanz. Vor Arbeitsgerichten trägt jede Partei in der ersten Instanz ihre Anwaltskosten selbst – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Wie teuer Verfahren werden können, zeigt sich auch bei speziellen Konflikten wie einem Verstoß gegen das Wettbewerbsverbot, wo ebenfalls schnell hohe Kosten entstehen.
Kann man Anwaltskosten für Arbeitsrecht absetzen?
Ja, in vielen Fällen können Anwaltskosten im Arbeitsrecht steuerlich abgesetzt werden. Sie gelten als Werbungskosten, wenn sie mit der beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen, etwa bei Kündigungsschutzklagen oder Gehaltsstreitigkeiten. Gerade bei Fragen zu Nebentätigkeiten, wie sie in unserem Artikel Erfolgreich nebenbei: Die wichtigsten Voraussetzungen für Ihre Nebentätigkeit erläutert werden, kann es sinnvoll sein, die steuerliche Absetzbarkeit von Anwaltskosten zu prüfen.

